Iran: Lut-Extrem-Expedition (Bernhard Gravenkamp)

Samstag, 16. November

Nach einem angenehmen, aber sehr regnerischen Tag erreichen wir pünktlich um 19 Uhr den Check-In am Flughafen Zürich-Kloten. Ich checke ein, um acht Uhr fährt der InterRegio nach Basel ab. Als Sitzreihe habe ich die gleiche ausgewählt, wie die anderen beiden Mitreisenden aus Hamburg. Viele der iranischen Fluggäste greifen kräftig zum Alkohol, oft in kurrligen Kombinationen. Mit fast einer Stunde Verspätung hebt die MD-11 der Swiss auf Piste 34 nach Norden ab. 3737 Flugkilometer liegen vor uns.


Die Anzeige im Flugzeug.

Sonntag, 17. November

Die Zeit vergeht buchstäblich wie im Fluge. Nach einer weiten Linkskurve über einem Lichtermeer landen wir auf dem Flughafen von Teheran.
Die Passkontrolle geht zügig, danach werden wir schon erwartet. Genauso schnell kommt das Gepäck, wir tauschen Geld und sind schon draussen. Unser Guide fährt uns das knapp zwei Kilometer lange Stück zum nationalen Terminal. In der einzigen grossen Halle herrscht ein emsiges Treiben, gehen doch einige Inlandflüge in den nächsten zwei Stunden, bis wir weiterfliegen, ab. Die Passagiere sind zu neunzig Prozent Männer, die meist nur mit Aktenkoffer, ohne Gepäck, reisen. Der Flug nach Kerman, fast tausend Kilometer, ist unter dreissig Dollar zu haben. Bald können wir den Bus besteigen, der uns in scheinbar endloser Fahrt zum anderen Ende des Flughafens bringt. Eine Masse von uralten Jumbos 742 der Iran Air stehen auf der weiten Ebene des Geländes. Wir besteigen eine ebenso uralte Tu-154 der Mahan Air. Die Maschine ist unheimlich eng gestuhlt und fast bis auf den letzten Platz gefüllt.
Wir starten bei schönstem Wetter nordwärts und sehen kurze Zeit später linker Hand den kegelförmigen, schneebedeckten höchsten Berg Irans, den Demavand, 5601 m.ü.M. Die Landschaft unter uns ist graubraun, nur unterbrochen von weissen Salzfeldern. Nach einer knappen halben Stunde Flugzeit sehen wir leicht über uns eine 747, die genau in der gleichen Richtung fliegt, bloss etwas schneller. Nach geraumer Zeit machen wir eine leichte Rechtskurve, der Kondensstreifen der anderen Maschine spiegelt gleissend am Himmel. Der Sinkflug beginnt, wir durchstechen eine leichte Wolkendecke und landen kurz danach auf dem Flughafen von Kerman, 1800 Meter über Meer. Ein Teil der Crew empfängt uns, in schneller Fahrt geht es ins Hotel. Ein fast neuer und ein etwas älterer Toyota Landcruiser werden uns die restliche Strecke im Iran transportieren. Im Hotel können wir bis zum Mittagessen etwas Schlaf nachholen. Es gibt eine grosse Auswahl verschiedener leckerer Schalen mit Saucen und Fleisch, verschiedene Yoghurts und eine Unmenge Reis.
Um drei Uhr nachmittags fahren wir dann ins Stadtzentrum und besichtigen den Souk. Die meisten Geschäfte öffnen gerade ihre meist metallischen Tore. Die Hauptgasse ist recht lang, vielleicht zwei Kilometer, nach knapp der Hälfte der Gesamtdistanz öffnet sich nach links ein hübscher Platz mit Brunnen, der von einem Laubengang rundum begrenzt ist. In ihm sind mehrere Kupfergeschäfte untergebracht, in denen von feinziseliertem Silber bis zu gigantischen Kupferkesseln vieles angeboten wird.


Innenhof des Souks von Kerman.

Etwas weiter gibt es eine Gasse der Goldschmiede, an einer anderen Ecke wird geschweisst und gehämmert. Die vielen Schuhgeschäfte erstaunen, die unzähligen Gewürzhändler sind für uns eine wahre Augenweide. Metzgerei neben Spielwaren, Ziegenköpfe neben Bananen - die Kombinationen sind wahrhaft vielfältig. Kurz vor sechs gehen die ersten Läden wieder nach unten, es wird zunehmend kühler. Nur noch eins: Abendessen und ab ins Bett.
 

Montag, 18. November

Nach erholsamer Nacht gibt es Frühstück, danach kehren wir zu zweit zum Bazar zurück und machen uns auf dem Weg zur Moschee. Wir sehen deren zwei, besichtigen eine Koranschule mit europäischer Uhr und erfahren dann, dass die gesuchte Moschee mehr als zwanzig Kilometer entfernt liegt.
Nach dem Essen packen wir, kurz nach zwei fahren Uhr wir ostwärts. In Mahan, nach gut zwanzig Kilometern halten wir an der Hauptstrasse und werfen einen kurzen Blick auf die am Morgen gesuchte Moschee für Fotostopp, es handelt sich um das Mausoleum von Shah Ne'mathollah Vali.
Ein kleines Stück weiter, mittlerweile ist es kurz vor vier, laufen wir durch die herbstlich gefärbte Anlage der Princess Garden. Das Plätschern des treppenförmig angelegten Wasserwegs, die bunten Herbstblätter und die gute Luft sind eine wahre Wohltat nach der Dreckluft, die, wie wir bald merken, ein typisches Zeichen jeder iranischen Stadt ist. Die Anlage ist gepflegt, aber doch renovationsbedürftig.


Im Innern der Princess Gardens.

Auf der Hauptstrasse ist noch reger Verkehr, die Berge rechts schneebedeckt. Die Strassen in sehr gutem Zustand. Der dunkle Himmel bezieht sich zusehends mit schweren Regenwolken. Die karge, graubraune Bergkette links wird noch von den letzten Sonnenstrahlen angestrahlt, dahinter geht der fast volle Mond auf. Mittlerweile sind wir auf 2560 Meter angelangt, die unzähligen Lastwagen kämpfen sich die Steigungen hinauf, lange, schwarze und besonders stinkende Dieselschwaden hinter sich her ziehend. Von Süden her kommen immer mehr dunkle Wolken, je näher wir zu den Bergen kommen. Kurz nach fünf wird es dunkel. Wir fahren durch Rayen und folgen dann einer Piste, die etwas später durch ein Wadi führt. Weit auseinander liegen kleine Dörfer mit vielleicht vier bis zehn nur spärlich beleuchteten Häusern. Unterhalb der Piste verläuft ein schmaler Bewässerungskanal. Wir verlassen das Wadi nach links und erreichen nach wenigen Minuten die nächsthöhere Ebene, auf der wir campieren. Wir haben gerade mal 130 Kilometer zurückgelegt.
Es wird gekocht, nach dem Essen singt am kleinen Feuer, das mit den wenigen mickrigen dürren Hölzchen rauchend brennt, unser Guide, Muhammed Ali, so heisst der wirklich, ein bekanntes iranisches Lied und liest auf iranisch Gedichte der bekannten Dichter Hafez und Ferdosi. Eines stammt aus dem Buch "Shahnameh", die Übersetzung auf englisch, lässt die Poesie, die dahintersteckt nur knapp erahnen, was aber bestimmt nicht an seinen oder auch unseren Englischkenntnissen, sondern an der Armut der englischen Sprache liegt. Während es sich die andern in den Zelten bequem machen, kuschle ich mich in meinen Biwaksack...
 

Dienstag, 19. November

Es ist ziemlich frisch, unter null Grad, war ja zu erwarten auf 2200 Meter über Meer. Der Mond geht unter, kurze Zeit später beginnt die Dämmerung. Nachdem es die ganze Nacht über windstill war, frischt es nun zügig auf. Die Aussicht auf die Umgebung ist unerwartet wüstenmässig: sehr karg, meist graubraun.
Nach unten ins Tal blickt man über kleine grüne Felder. Ein Glitzern am Talende lässt auf ein schmales Wasserband inmitten des kargen Wadis schliessen. Um Viertel nach sechs geht die Sonne auf, wir packen und frühstücken. Der Blick nach Osten geht auf den 4420 Meter hohen Kuh-e Hezar, der auch als das Dach von Kerman, dem Namen der Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks, bezeichnet wird. Auf der Kartenübersicht sieht man recht deutlich die enormen Höhenunterschiede auf kurzer Entfernung. Das ganze Land Iran liegt recht hoch, wird es doch zudem von mehreren hohen Bergrücken bestimmt. Nur zur Küste hin und in den Wüstengebieten liegt es auf Meereshöhe oder wenig darüber. Von unserem Lagerplatz aus sind die Strukturen gut zu erkennen, das Einzugsgebiet der beiden Wadis geht bis hin zum "Dach von Kerman", die ganze Region umfasst die Fussfläche der beiden Hügelzüge, zwischen denen wir weiterfahren. Abfahrt ist noch vor halb acht.


Schon vor neun Uhr morgens wird es warm.

Doch schon bald folgen die ersten Fotostopps, ist doch diese aride graubraune Gegend mit dem blauen Himmel und den wenigen teilweise leuchtenden Büschen durchaus ein oder zwei Bilder wert. Ein Weilchen später halten wir oberhalb eines typischen Dorfes. Vor uns liegt das ausgetrocknete Wadi, in dem kleine rötlich schimmernde Büsche stehen. Rechts steht erhöht ein aus Sandstein erbauter alter Wachtturm. In dem Dorf treffen wir auf die Asphaltstrasse. Mittlerweile ist es angenehm warm. Hemd genügt, die Anzeige auf dem Höhenmesser zeigt "nur" noch 1800 Meter. Wir passieren eine gut bewachte Distriktsgrenze. Sehr schnell öffnet sich der Blick über eine weite, leicht abfallende Ebene. Links stehen in gleicher Richtung verlaufende Bergketten, davor freistehende Hügel in grosser Zahl hintereinander. Wir queren die schätzungsweise 15 Kilometer breite Ebene auf einem Damm, alle zweihundert Meter führt die Strasse über eine Brücke, unter der bei Regen das Wasser ungehindert durchfliessen kann. Offensichtlich wurde die Strasse nur allzuoft zerstört...
Am anderen Ende der Ebene steigt sie wieder an, wir halten am Fusse eines kleinen Hügels. Von oben hat man einen schönen Ausblick auf die Ebene und die sie abschliessenden Berge, es erinnert an die östlichen Ausläufer des Altai in der Mongolei. Es geht zügig aufwärts, wir fahren durch ein Dörfchen mit vielen Birken die gelb und orange in der Sonne leuchten. Auf der Passhöhe, 2425 Meter, fahren wir durch einen Tunnel, danach geht es schnell abwärts. Im nächsten Dorf, 2200 MüM, biegen wir nach links ab. Während der nächsten zwanzig Minuten auf einer steilen Schotterpiste klettert der Höhenmesser auf knapp 2500 Meter. Von oben bietet sich ein schöner Blick, allerdings ist es um die Mittagszeit auch hier recht dunstig. Von hier oben würde man das Meer sehen. Die Weiterfahrt geht dann nur noch abwärts. Nachdem wir getankt haben - der Liter Diesel kostet hier knapp vier Rappen - fahren wir auf einer Ebene weiter. Bald sind wir auf 680 Meter. Während eines Fruchtstopps sehen wir drei Eisvögel.
Bald biegen wir von der Hauptstrasse, die nach Bandar-Abbas führt, links ab. Anfänglich fahren wir noch durch viele grüne Felder, aber bald wird der Untergrund weisslich und grau. Es wird zunehmend sandig. Die Häuser am Strassenrand werden zusehends kleiner und ärmlicher, ebenso häuft sich der Müll. Die Gewächshäuser aus Plastikplanen hinterlassen über Dutzende von Kilometern ihre unschönen Spuren. Die Landschaft mitsamt der kargen Vegetation erinnert nun zunehmend an Mauretanien. Vermehrt tauchen nun Behausungen aus Stroh und Holzbündeln auf. Wir sind nun tiefer als 400 MüM. Da das Gebiet, zumindest entlang der Asphaltstrasse, noch gut besiedelt ist, melden wir uns bei einer Militärstation. Die Soldaten sind dort offensichtlich überfordert, laden uns sofort ein, bei ihnen im Camp zu übernachten, sie würden auch gerne für uns kochen. Dass Europäer einfach in der Pampa übernachten wollen, und das auch noch freiwillig, erscheint ihnen unglaubwürdig und ruft nur massloses Staunen hervor. Doch nach einigem Hin und Her entsprechen sie doch unserem Wunsch und geben uns auch noch einen Tipp für einen Lagerplatz, rund vier Kilometer nördlich der Station. Zwischen unzähligen Büschen lagern wir auf grobem Sand, Feuerholz ist in Hülle und Fülle vorhanden, der Vollmond hilft bei der Suche. Um halb neun ruft der Schlafsack. Es ist angenehm warm, mehrere Moskitos schwirren herum: Netz zu und gute Nacht!
 

Mittwoch, 20. November

Die Sonne steigt zügig empor, bald gibt es Frühstück. Auf der Karte sieht man den Verlauf des Wassers, der sich im gigantischen Becken, in dem wir uns befinden, sammelt. Südwestlich liegt ein grosser Salzsee, der Abfluss Richtung Golf wird von einem weiteren Bergrücken abgeblockt. Da es so gut wie keine Informationen über diese Region gibt, ist auch unser Führer von der Vegetationsdichte hier überrascht.
Die Abfahrt ist erst um halb neun, die Strasse hat auch schon mal Schlaglöcher, ab und zu züngeln kleine Sanddünchen auf die Strasse. Etwa zwanzig Kilometer nördlich verläuft der Bergrücken Kuh-e Gebal Barez. Wir halten bei einer bunt gemischten Herde mit Kamel, Kühen, Ziegen und mehreren Hirtenjungen. Im Hintergrund ist das Nomadendörfchen mit Strohhütten zu sehen. Der Verkehr hat fast komplett aufgehört. Alle halbe Stunde vielleicht mal ein Motorrad. Die Strasse weist etwa alle zweihundert Meter eine Vertiefung auf, über die die ablaufenden Wassermassen die Strasse überqueren und so den Asphalt nicht wegreissen. In einem Nest mit drei Häusern auf der einen und fünf Hütten auf der anderen Strassenseite leuchtet grellrot das Schild "Achtung Fussgänger"... Die zuvor noch enger stehenden Büsche vereinzeln sich zusehends. Die nächsten zwei Fahrstunden sind recht eintönig. In einem Ort, Chah-Sur, halten wir kurz, bald biegen wir nach Norden, nach links ab.


Einer der vielen Hügelzüge.

Linker Hand folgen wir einem zerfurchten Hügelzug, dahinter taucht das erste Ziel, der Vulkan Bazman, auf. Der schnell wechselnde Vordergrund mit dem blauen Himmel erfordert mehrere Fotostopps.
Kurz nach halb fünf geht die Sonne unter. Im Ort Bazman angekommen, es ist schon dunkel, kaufen wir ein paar Kleinigkeiten. Der Ladenbesitzer, der selbst kein Brot verkauft, schickt einen Jungen los, der Fladenbrot holt, das wir geschenkt bekommen. Als wir weiterfahren, wird die Strasse, es ist nun wieder Asphalt, recht kurvenreich, auch nimmt der Verkehr wieder zu. Überholmanöver an den unmöglichsten Stellen scheinen hier Pflicht zu sein. Das Camp liegt etwa drei Kilometer von der Strasse nach rechts ab auf einer leicht abschüssigen Fläche. Der Vollmond hilft beim Auspacken und später beim Essen.


Nicht mehr ganz voll zu nehmen, dieser Mond.

Donnerstag, 21. November

Die Sonne geht auf, bevor der Vollmond untergeht. Unser Lagerplatz auf 1092 MüM bietet einen schönen Blick auf den Vulkan Bazman, 3489 MüM.


Die ersten Sonnenstrahlen.

Der Hauptkegel ist durch das Durchbrechen von flüssigem Material aus dem Untergrund entstanden. Die grossen Brocken, die über die ganze Fläche rundherum verstreut liegen, sind wahre Bomben, wurden sie doch über eine Entfernung von über zwanzig Kilometern rausgeschleudert.


Der Vulkan Mount Bazman.

Lavaströme gab es keine. Zu einem späteren Zeitpunkt ist ein kleiner Nebenkrater entstanden, der eine andere Farbe hat. Wir fahren zur Asphaltstrasse zurück und halten schon nach wenigen Kilometern an einem Militärposten. Sie wollen uns nicht weiterfahren lassen, da sie Angst haben, uns könnte in diesem offenbar berüchtigten Drei-Länder-Schmuggelgebiet etwas zustossen. Nach einer halben Stunde kommt der höchste Offizier angebraust und bietet uns Geleitschutz bis zum nächsten Dorf, etwa eine Fahrstunde entfernt, das aber bereits an der gewünschten Piste liegt. Als wir dort halten, läuft äusserst zaghaft das halbe Dorf, vorwiegend die Schuljugend, zusammen. Mein "Hühnergegacker" bringt das Eis zum schmelzen. Nach dem längeren Gespräch mit dem Dorfchef, der uns unbedingt einladen wollte, fahren wir winkend und mit Essen beschenkt weiter. Einer seiner Söhne, dieses Dorfältesten, der hat bloss dreissig (30) Kinder, begleitet uns die nächsten fünf Fahrstunden. Die holprige Piste führt nach einer Ebenenüberquerung leicht bergan, linker Hand sind zerfurchte, grau-braun-rötliche Bergrücken, die sofort an die Berge nördlich des Mückensees in Island erinnern, zu sehen. Rechter Hand liegen viele kleine spitze Kuppen eng gestaffelt hintereinander, Mondlandschaft...


Farbige Berge, soweit das Auge reicht.

Kurze Zeit später geht der Blick nach links in ein Tal, ebenso bunt, unten verläuft ein von einer weissen Salzkruste gesäumtes schmales Flüsschen. Durch die hohe Sonneneinstrahlung während der heissen Jahreszeit verdunstet das Wasser ziemlich schnell, so dass die minimal kleinen Salzanteile des Regenwassers zurückbleiben und so diese glitzernden Flächen bilden können. Nur wenige Minuten später säumen grüngelbe Schilfinseln die Piste. Das Rinnsal ist weiss vom Salz, grün vom Moos. Auf einem flachen Stück halten wir für Lunch, es ist angenehm warm, Pullover braucht es nicht. Auch auf der Weiterfahrt begegnen uns mehrere Pickups mit grossen Behältern, es sind meist alte amerikanische Fahrzeuge. Die meisten der Insassen staunen und/oder winken freundlich.
In vielen Kurven geht es weiter bergan. Kurz vor der Passhöhe hat man noch einen kurzen Blick zurück auf den Vulkan. Wir passieren eine kleine Siedlung, die von ein paar wenigen herbstlich farbigen Bäumen eingerahmt ist, 1740 MüM. Die Temperatur ist angenehm warm, Pullover braucht es nicht. Nun geht es abwärts, genauso kurvenreich, bald öffnet sich der Blick auf die Ebene. Um vier erreichen wir dann die Asphaltstrasse. Nun erfahren wir von unserem lokalen Führer, wie hier die Zusammenhänge verstrickt sind: Die eben befahrene Piste wird von Treibstoffschmugglern, die Benzin vom Iran, meist von Bam oder sogar von Kerman nach Pakistan bringen, benutzt. Die verschiedenen Interessengruppen haben eine einfache Abmachung, so dass die Armee und Polizei in den einzelnen Stammesgebieten keine Befugnisse, aber auch keine Pflichten haben. Für die Durchfahrt durch ihr "Hoheitsgebiet" kassieren die Stämme eine Art Schutzzoll, die sie selbst wie Steuern verwenden.
Das erklärt auch, warum die uns entgegenkommenden Fahrzeuge nur leere Kanister und Tanks auf den Ladeflächen festgezurrt hatten. Die Freundlichkeit? Ganz einfach, wir hatten nichts von ihnen, sie nichts von uns zu befürchten.
Die Strecke wird nun flach, es wird bald dunkel. Wir passieren einen Militärposten mit aufgepflanztem Maschinengewehr, am nächsten Polizeiposten werden wir durchgewunken. Von Ferne leuchten die vielen Lichter von Zahedan, diese Stadt mit 700000 Einwohnern wurde erst in den Fünfzigerjahren gegründet, hat aber dank ihrer Lage, gerade mal 25 Kilometer von der Dreiländergrenze Iran/Afghanistan/Pakistan entfernt, einen enormen Aufschwung hinter sich und enorme Ausmasse erreicht.
Vor einer Tankstelle warten Lastwagen in einer gut und gerne fünf Kilometer langen Schlange auf den Diesel... Unser Hotel liegt direkt an der Ausfallstrasse, obwohl wir schon ein langes Stück seit Stadtbeginn gefahren sind, haben wir das Zentrum noch nicht erreicht. Wir laden aus, duschen, rasieren, waschen und essen in einem kleinen Restaurant, unmittelbar neben unserem Hotel, mit eigener Backstube. Allein das frische Fladenbrot ist schon den Besuch wert, hinzu kommen verschiedene Spiesse, Yoghurts und Reis in Mengen.
 

Freitag, 22. November

In dieser Grossstadt werde ich durch das Krähen von Hähnen geweckt. Der Verkehr beginnt recht früh, ist doch Ramazan, wie es hier heisst, und das Essen findet folglich vor dem Sonnenaufgang statt. Wir beladen die Fahrzeuge, gehen kurz durch den Bazar.
Die Bazaris haben sich trotz verschiedener Reformierungsangriffe seitens der Industrie noch immer gegen Änderungen in der Gesellschaft wehren können. Die grössten Freitagsmoscheen stehen häufig in nächster Bazarnähe, und der Klerus wird zu grossen Teilen von den Bazaris finanziert. Die Stimmung hier ist multikultureller, sind hier doch schon mongolische Gesichter zu sehen, auch ist man hier mit dem Ansprechen von Touristen nicht mehr so zurückhaltend wie beispielsweise in Kerman. Ali wird erst im siebten Gewürzladen fündig, auf der Suche nach dem "Verdauungsgewürz", bekannt aus dem Oman.
Um drei Uhr geht es endlich los, wir tanken und flitzen auf der Teerstrasse in schönem Abendlicht Richtung Nordwesten, auf den Schildern steht "Bam 325 Kilometer". Wir fahren über eine weite Ebene, rechts von einer hügeligen Bergkette, links von höheren Bergzacken begrenzt. Die Strecke geht langsam aufwärts. Noch vor halb fünf geht die Sonne unter. Wir halten an einer Militärstation, die sich als Standort der Schmuggelbekämpfungseinheit entpuppt. Offizielle Stellen sprechen von 24000 getöteten Soldaten während der letzten sieben Jahre (?!)
Diese Hauptstrasse ist ein Hauptverbindungsweg zwischen Afghanistan und dem Westen, wird also auch als Handelsweg von Opium benutzt. Der hohe Bergrücken, der dabei überquert wird, ist praktisch nur hier über diesen Pass passierbar, alle Fahrzeuge werden an einer Zollstation gestoppt und mehr oder weniger kontrolliert. Nach zwanzig Minuten lässt man uns durch, wir fahren über den Pass, über 1600 MüM und dann geht es abwärts, teilweise recht steil, die grossen oft schlecht beleuchteten Lastwagen, die uns entgegenkommen, kämpfen sich regelrecht nach oben zur Passhöhe. In nur zehn Minuten geht es insgesamt elfhundert Meter nach unten, bis wir nach rechts abbiegen, über ein frisch aufgeschüttetes Hügelband, das die Glasfaserkabel abdeckt, holpern um weit oberhalb der Strasse auf einem flachen Kiesrücken zu campen. Im Umfeld des Lagerplatzes stehen noch einige mickrige trockene Büsche, so haben wir noch Feuerholz. Der Mond ist schon lange aufgegangen, bis wir gegen halb zehn die verstreuten Schlafplätze aufsuchen, mein Platz liegt auf einem weichen hellgrauen schmalen Sandstreifen. Die Temperatur ist hier auf 480 MüM angenehm warm. Doch der Mond scheint immer noch grell genug, ob er für die wirren Träume sorgt? Sogar der sonst gut sichtbare Orion ist nur schwach zu sehen, die Milchstrasse bisher noch gar nicht...
 

Samstag, 23. November

Der Fernverkehr auf der fernen Strasse läuft ununterbrochen. Über die leere Fläche setzt sich der Lärm nahezu ungehindert fort. Die Sonne geht nach einem bunten Wolkenspiel hinter einem Bergrücken auf. Vom Lagerplatz aus sind Richtung Westen am Horizont helle Erhebungen zu sehen - Dünen?
Das Lut-Becken hat eine Breite von 200 und eine ungefähre Länge von 300 Kilometern. Die genaue Routenführung, in drei Etappen mit Versorgungsstopps dazwischen, wird sich zeigen, denn je nach Befahrbarkeit werden die einzelnen Tagesetappen bestimmt unterschiedlich schwierig und lang ausfallen. Zu Beginn ist die Route Richtung Norden, entlang des grossen Dünengebietes geplant, danach in einem weiten Bogen nach Westen darum herum und dann wieder südlich. Sieben Nächte ohne Hotel stehen uns bevor.
Nach der Abfahrt steuern wir auf das nördliche Ende des Wadis zu, einem kiesigen Bergrücken, von dem sich ein weiter Blick über die dunstige Ebene bietet. Eine Libelle setzt sich zum Fotografieren auf die Autoantenne. Auf der Weiterfahrt sammeln wir Holz und nähern uns den gelb-gräulichen Dünen, indem wir uns über die Kiesebene, die von unzähligen sandigen Miniwadis unterbrochen ist, quälen. Wir kreuzen nur vereinzelte Fahrzeugspuren, auf einer Karte ist sogar eine Piste eingezeichnet. Wir nähern uns den Dünen, stehen aber völlig überraschend vor einem gut zwanzig Meter tiefen, steil abfallenden Canyon, der sich nach links und rechts fast nicht einsichtbar hinschlängelt, die "Flussrichtung" ist von Norden nach Süden, also nehmen wir an, dass er gegen oben hin einfacher überwindbar sein wird. So fahren wir nordwärts und suchen eine machbare Abfahrt.


Ein für Fahrzeuge unüberwindbares Hindernis.

Als wir in einem schmalen Seitenwadi für Lunch halten, wird es richtig heiss. Die Weiterfahrt auf dem kiesigen Untergrund führt auf der Piste mit wenigen, alten Fahrzeugspuren zügig voran. Wir erreichen ein Gebiet mit weisslich-grauen, gut zwei Meter hohen Hügelchen. Sie sind alle in die gleiche Richtung geschliffen, aus tonhaltigem Material, das sehr schnell nachgibt, wenn man drauf steht, und dementsprechend bröcklig.


Wie eine Luftaufnahme, wie im Grossen, so im Kleinen.

Durch einen schmalen Kanal kommen wir nach unten und erreichen den Wadigrund, auf dem unzählige vertrocknete Baumstrünke mit sehr bizarren Formen die erste lange Schatten auf die weisslichen eingetrockneten Pfützen werfen. Den Hintergrund bilden leicht ansteigende, von Sand bedeckte Wadiränder.


Die Dünen sind erreicht.

Über ein Sandband geht es nach zwei Versuchen auf der westlichen Wadiseite nach oben, der Weg zu den Dünen ist somit frei.
Wir folgen dem links liegenden Dünenzug und beenden die Etappe gerade als die Sonne kurz vor halb fünf untergeht. Der Lagerplatz liegt noch bei den Tonhügeln, ein Fünf-Minuten-Spaziergang führt auf den ersten Dünenzug, von dem sich ein schöner Blick bietet auf das sich gegen Westen ausdehnende Dünengebiet, welches sich in nicht ausmachbarer Ferne verliert. Das sandige Gebiet ist rund 200 Kilometer lang und etwa 50 breit. Der Sand ist noch warm genug für ein Tuareg-Bad...


Am Fuss der Dünen.

Sonntag, 24. November

Wir folgen den alten Fahrzeugspuren gegen Norden. Die Bergkette auf der anderen Wadiseite kommt immer näher, die Dünen linker Hand werden immer höher. Wir sehen öfters mal Kamele.


Kameldame mit Kind.

Auffallend sind die vielen Sträucher und Baumstrünke, die auf ehemals grosses Wasservorkommen schliessen lassen. Vor dem Mittagessen wagt B. einen Dünenritt, nach wenigen Minuten blicken wir aus über hundert Metern über dem Talgrund auf die umliegenden Dünen. Wir sind gerade mal am Beginn des gut fünfzig Kilometer breiten Dünengebietes. Ein Durchkommen ist nur zu Fuss und mit Kamelen möglich. Allerdings sind die Iraner keine Touaregs, Kameltouren wären hier ein lohnenswertes Novum.
Auffallend von unserem Standort aus sind die Kämme, ähnlich wie Wächten im Schnee, die jede Düne an deren geschwungenen Spitzen zieren. Dies sind nun in der Mittagszeit die einzigen Schatten, zu wenig für kontrastreiche Bilder.
Nach der Pause fahren wir zurück ins breite Tal und halten öfters, um skurrile Bäume und geschwungene Dünen zu knipsen. Eine Gruppe von Kamelen ergibt ein weiteres Fotosujet. Doch schon bald werden die Schatten wieder länger, ein kurzer Abstecher links der Piste wird mit Schieben wieder zu einem guten Ende gebracht. Die Büsche werden nun schräg angestrahlt und geben so effektvolle Schattenzeichnungen. Die nächste Dünenauffahrt endet mit weitem Blick über eine sandige Senke, der Blick nach Norden bietet hinter den Dünen die Bergkette, die die nordöstliche Grenze der Lut bildet.


Blick auf die nordöstliche Grenze der Lut im Abendlicht.

Schöne sandige Schlafplätze gibt es in Hülle und Fülle. Die unverwechselbare Spur meiner grossen Tasche führt in östliche Richtung. Am südöstlichen Horizont ist die Zollstation mit ihrem hellen Licht auszumachen.

Montag, 25. November

Der Mond steht um fünf Uhr früh senkrecht und grell über uns. Bald Zeit, um eine optimale Fotografier- und Filmposition auf der nächsten einfach erreichbaren Düne zu beziehen. Der Sonnenaufgang lässt allerdings noch auf sich warten, doch wird der Ausblick nach Westen zunehmend bunter. Innert weniger Minuten ändert sich das Farben- und Schattenspiel zügig.


Büsche in der Wüste.

Schon zu bald sind die spektakulären Kontraste abgeflacht, Zeit fürs Frühstück und Packen. Die Weiterfahrt führt durch zunehmend bewachsenes Gebiet, die weisslichen, blattlosen Sträucher, manchmal mit grünen Ästchen stehen immer dichter. Der Blick nach rechts geht auf die grau-braune Bergkette, die am oberen Ende der Schräge liegt. Wir folgen alten Fahrzeugspuren, zwischendrin ist auch eine recht frische Motorradspur und viele Kamelpfade zu erkennen.


Büsche auf den Dünen.

Ein kurzer Halt inmitten von zwei bis drei Meter hohen Dünen, die mit vielen Büschen bewachsen sind. Etwas später knipsen wir ausgetrockneten Lehmboden mit grafisch wirkenden Holzstrünken. Wir entdecken eine Fahrradspur - Spinner gibt es offensichtlich überall - aber das hier ist so ziemlich die ultimative Steigerung dieser Spezies. Für den Mittagsplatz lassen wir die Autos auf eine Düne klettern, die Aussicht von oben ist imposant. Sogar weiter oben sind noch grüne Büsche und tiefe Kamelspuren zu erkennen. Der Höhenmesser zeigt knapp 1200 MüM


Blick vom Mittagsplatz.


Die Abfahrt ins Tal geht blitzartig. Die Strecke wird nun zunehmend ruppig. Die Dünen links bleiben ungefähr gleich hoch, also gut 120 Meter, am Fuss davon allerdings zunehmend "verwinkelt", das heisst, viele kleine Sicheldünen die sehr nahe beisammenstehen und eine Annäherung mit den Fahrzeugen verunmöglichen. Auch nach Sonnenuntergang fahren wir, einen Lagerplatz suchend, weiter. Als wir dann halten, bläst ein kräftiger, kühler Nordwind. Meinen Schlafplatz setze ich deshalb an den Fuss einer zwei Meter hohen kiesigen Düne in eine Kuhle. Wir befinden uns auf 1100 MüM.

Dienstag, 26. November


Der Horizont wird heller, ich mache mich startbereit und beginne kurz nach sechs den Aufstieg auf die erste Dünenkette.


Jetzt wirds steil.

Die ersten flachen Dünen sind schnell überschritten, doch dann wird es steil, der Sand wird tiefer. Auf etwa der Hälfte der Höhe mache ich einen ersten Fotostopp zum Verschnaufen, die Sonne ist mittlerweile aufgegangen, die ersten Licht-/Schattenspielereien gewinnen schnell an Kontrast. Es geht ein zügiger Wind, alles wird sandig. Die nächsten Höhenmeter wollen richtig erkämpft sein. Der Anstieg wird noch steiler, drei Schritte nach oben, deren zweieinhalb zurück. "Oben" angekommen bietet sich ein Blick nach Westen auf die nächste Dünenkette, nochmals vierzig, fünfzig Meter höher als mein Standort, doch dazwischen liegt ein tiefes Dünental.


Und das wäre die nächste Dünenkette.

Der Aufstieg bis hier dauerte schon eine knappe Stunde, aus zeitlichen Gründen gebe ich mich mit dieser Höhe, es sind 150 Meter über dem Lagerplatz - zufrieden: "in sandigen Höhen"... Der Ausblick geht weit hinüber gegen Osten, bis zum Rand der Lut. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es in grossen Schritten abwärts. Als ich B. ist auf dem Weg nach oben kreuze, ist er noch im unteren Drittel. Ich habe gerade fertig gepackt, als er als kleiner Punkt oben auf dem Grat auftaucht. Die Weiterfahrt auf der ruppigen Piste bleibt ruppig. Jedes mickrige Wadilein muss überholpert werden, ist doch unsere Fahrtrichtung fast genau im rechten Winkel zu den ausgetrockneten Flussrinnen. Wir sehen öfters mal Kamele, die Buschformen ändern sich für ein kurzes Stück plötzlich, nur um nach wenigen Kilometern wieder von den weisstämmigen zum Grossteil komplett verdorrten Büschen abgelöst zu werden. Der Untergrund wandelt sich in Kies, doch auch das Reg kann nicht allzuschnell befahren werden, sind doch die Rinnen nur im Schritttempo zu überqueren, um unweigerliche Folgen, verbeulte Köpfe, zu vermeiden. Wir stossen auf einen ausgetrockneten Fluss. Am Rand ist er verkrustet, braungraue Töne, zur Mitte hin, wird es feuchter, die Mitte bildet ein weisses, salzhaltiges Band, wir überqueren es und halten kurz danach für Lunch inmitten vieler Büsche Der Blick nach Süden bietet einen weiten Blick auf eine weite Ebene mit Fata Morgana. Auf der Weiterfahrt passieren wir ein Wasserreservoir, etwas später ziehen links ein paar kleine Häuser vorbei. Eine Handvoll Einheimischer ist mit gut zwanzig Kamelen beschäftigt. Die Piste wird nun wieder eher sandig. Wir erreichen die ersten Ausläufer der Hügelkette und fahren für zwanzig Minuten auf dunklem Untergrund, der von rötlichen Büschen bestanden ist. Rechts blicken wir auf eine Herde mit Hirten, Schafe und Ziegen, und halten kurz danach für Fotostopp, der dem Panorama der farbigen Bergkette gilt. Etwas später halten wir in dem stark ausgewaschenen Tal. Ein kurzes Stück Strasse bringt uns danach in den nächsten Ort, Nehbandan, 250 Kilometer nordwestlich von Zahedan gelegen. Hier tanken wir, der Tankwagen hat Verspätung, so wollen sie uns erst die übliche reduzierte Menge von bloss 10 Litern geben. Erst eine lautstarke Diskussion und der Verweis auf den dieselbetriebenen neuen Toyota, lässt sie ihre Weisung vergessen. Ich stelle mich beim Bäcker an, denn die vierzig Fladenbrote wollen auch erst mal gebacken sein. Dort kriegen wir auch unsere Wasserkanister wieder aufgefüllt. Es ist stockdunkel als wir nach wenigen Kilometern die Strasse nach rechts verlassen und schliesslich in einem windkanalartigen Wadi anhalten. Es windet kräftig, Wolken bedecken zunehmend den Himmel. Ich verzichte auf das Abendessen...

Mittwoch, 27. November

In der Nacht ist es komplett bedeckt, am Morgen dann wieder sternenklar und auch windstill. Vom nahen Hügel in südlicher Richtung bietet sich ein schöner Ausblick auf die rundum liegenden unterschiedlich gefärbten Hügel und ebenso die dahinterliegende Bergkette, die durch die gerade aufgehende Sonne noch zusätzlich an Farbe und Kontrast gewinnt.


Der Blick auf den Lagerplatz.

Die unterschiedliche Färbung ist durch die unterschiedliche Zusammensetzung des äusserst bröckligen Materials zurückzuführen, erstaunlich ist die grosse Vielfalt auf kleinstem Raum. Jeder Schritt darauf hinterlässt tiefe Eindrücke, das Besteigen der Hügel ist ab einer bestimmten Steilheit nicht mehr möglich. Nach dem Frühstück gibt's eine zweite Besteigung, danach fahren wir auf der nigelnagelneuen Strasse Richtung nach Westen und erreichen nach einer knappen Stunde die Oase Dehs-salem. Bei unserer Ankunft läuft die ganze (männliche) Dorfbevölkerung zusammen. Es dauert eine Weile, bis das doch leicht spürbare Unbehagen - Misstrauen kann man es nicht nennen - geschwunden ist. Unser Guide entpuppt sich als wahrer Redner und Aufklärer, sind wir doch mit die ersten Touris die in diese entlegene Ecke kommen. Er empfiehlt den Einheimischen, jede Woche einen Brief nach Teheran zu schreiben, um dort die hier aktuelle Situation mitzuteilen, sei doch dort Geld für solche Regionen vorgesehen. Nach seinen Worten wollen plötzlich viele sich fotografieren lassen. Der Weg durchs Dorf wird zur Gaudi, Fussball ist auch hier eine verbindende Sprache. Auf dem Hauptplatz, an dem gerade eine neue Moschee gebaut wird, stehen wir ein ganzes Weilchen. Doch mangels Verständigung bleibt der Kontakt auf Faxen machen und wenige Englische Brocken beschränkt. Die beiden Damen sind derweil zu Tee eingeladen, was dann doch noch einen kurzen Blick in die nüchterne schmale Halle der Teppich-Fabrik ermöglicht. Drei Frauen sind an einem Stück während drei Monaten beschäftigt. An einem der Webstühle zählen wir 25 verschiedene Farben. In diesem verlassenen Flecken gibt es wahrlich nicht viel zu tun. Auf der Weiterfahrt zur nahen kleinen Ruine der Karawanserei treffen die lokalen Führer auf die Polizei, die vor den verschiedenen, auf unser geplanten Route liegenden Minenfeldern warnt. So fahren wir nach dem Lunch nicht weiter nach Süden sondern gegen Westen.


Kurz vor Sunset in der Wüste.

Schon bald geht die Sonne unter und wir lagern in einem breiten sehr flachen grau-kiesigen Wadi mit etwa ein Meter hohen Büschen, 960 MüM.. Die Kost des Fahrers H. ist nicht jedermanns Sache, dafür wäscht das Dream-Team ab. Ab und zu hört man ganz weit weg ein Fahrzeug.

Donnerstag, 28. November

Nach dem Frühstück stoppen wir kurz auf dem letzten höheren Hügel, von wo ein Blick auf die scheinbar endlose Ebene geht. Die Vegetation hört fast schlagartig auf. Der Untergrund ist grau, ab und zu folgen wir einem ausgetrockneten Flusslauf, wir kommen zügig vorwärts, die Höhenmesseranzeige sinkt kontinuierlich. Kurz vor Mittag sehen wir einen Fenek, einen Wüstenfuchs, davon sausen. Bei einem kurzen Halt mit leckeren Granatäpfeln kommt aus dem Nichts ein kleiner Piepmatz und ein Rabe. Wir fahren noch ein Stück über Kies, fast urplötzlich stehen wir vor einem flachen Abbruch der einen schier unglaublichen Ausblick über das darunter liegende Gebiet bietet.


Blicke von der Abbruchkante.






Nach links wird eine Unzahl von Hügelchen in unterschiedlichen Formen sichtbar, am Schräghang rechts sind zwei Türmchen, geradeaus und am Horizont weitere zu erkennen, sie verschwimmen teilweise in der dunstigen Mittagshitze. Ich laufe das kurze Stück über den lockeren Untergrund nach unten zum Mittagsplatz. Es ist richtig heiss, in den schmalen Mini-Canyons platzt die helle trockene Erde in unterschiedlichsten Formen auf.


Am Boden eines kleinen Canyons.

Die Aus- und Einblicke lassen einem den Mund offen stehen. Nach der Mittagspause geht es mit vielen Fotostopps weiter, der Untergrund ist manchmal wellenartig und die Fahrt gleicht einer Bootsfahrt, der Ruf nach Seekrankheitspillen wird laut. Nach einer Wadidurchfahrt erreichen wir die nächsttiefere Ebene, die tiefliegende Sonne und der Blick zurück ist superb.


Einer von vielen Blicken zurück...

Ein kurzes Stück später knipsen wir nach links. Kurz vor dem noch gesuchten Lagerplatz können wir uns nicht entscheiden, ob wir in der Wunderwelt zuerst nach links oder rechts steuern sollen. Heute fahren wir nach links, morgen soll es dann nach rechts gehen. Der Lagerplatz, 320 MüM., liegt nun bei den ersten länglichen, vielleicht zwanzig Meter hohen Skulpturen, meinen Schlafplatz positioniere ich unterhalb einer etwa zehn Meter hohen senkrechten rötlichen Wand in einer sandigen Kuhle.

Freitag, 29. November

Schon früh bin ich wach, um vier bezieht sich der Himmel immer mehr mit Wolken. Ich mache mich auf den Weg einen der unzähligen Hügel zu besteigen.


Dieser ist etwas schwierig.

Die meisten können recht einfach bestiegen werden; das ausgesuchte Ziel ist etwa zehn Meter breit, und etwa zwanzig Meter hoch. Über die ausgewaschenen Rinnen gelangt man über das rutschige Material schnell nach oben. Ausrüstung aufbauen und staunen. Die rundherum sichtbaren Formen gleichen sich. In ungleichmässigen Abständen, so um die vierzig Meter, sind in gleicher Richtung durch den Wind zwischen den ehemals durchgehenden Bergketten Rinnen entstanden, die teilweise sandig, teilweise aus hartem Untergrund, aber auch aus weiss umrandeten Pfannen bestehen können. Nur die Felsen aus härterem Material sind noch übrig geblieben, und bilden nun die bizarren Türmchen und Aufsätze auf dem eher lockeren Untergrund. Erstaunlich sind die schmalen, vielleicht zehn Zentimeter breiten Bänder, die waagrechte Linien an vielen der Felsen, oft auf gleicher Höhe, bilden und grafisch, fast wie hingemalt, aussehen.


Wie ein sandiger Fluss inmitten von Felsen.

Kurz vor Sonnenaufgang leuchten die bizarren Formationen rosa auf. Allerdings ist nach wenigen Minuten die Wolkendecke zu dicht, so wird aus dem Licht-/Schattenspiel vorerst mal nichts und man kann in Ruhe frühstücken und packen. Danach kommt die Sonne wieder hinter den Wolken hervor.


Auf dem Mond, oder was?

Wir fahren etwa zwei Kilometer, und halten bei der nächsten Ansammlung von längsgestreiften steilen und auch höheren schmalen Felsketten, die vor dem Horizont einen schönen Kontrast abgeben. Die weissen Bänder sind nun auch von oben auf dem Boden sichtbar und geben hier viereckige Muster ab, sie sind hier aber nur etwa einen Zentimeter breit. Ein Stück laufen wir auf sandigem Untergrund, danach wird es wieder härter. Die Weiterfahrt ist auch nun von kurzer Dauer, gibt es doch viel zu sehen, hinzu kommt, dass die häufig zu querenden Sandflächen wellenförmig und deshalb nur im Schritttempo zu befahren sind, um allfällige Magenreaktionen zu vermeiden... Zuerst fahren wir noch durch breite Täler gegen Norden zu, also gegen das Ende des Windreliefgebietes. Gemäss Karte ist diese Landschaftsstruktur etwa achtzig Kilometer lang und knapp vierzig Kilometer breit. Gegen das nördliche Ende hin werden die Täler oft schmaler, oft ist es nicht mehr als eine Wagenbreite in der wir zwischen gut drei Meter hohen, verwinkelten weisslichen Gassen die passende Durchfahrt suchen. Nach einer kurzen Abfahrt blicken wir auf einen ausgetrockneten, braunen See. Am Rand ist noch ein schmaler, schräger dunkelbrauner Streifen, der weich und gut zu befahren wäre. Wir machen ein paar wenige Schritte auf dem zu Beginn noch flachen Untergrund, doch schon bald knirscht es verdächtig unter den Füssen. Die hellen, kristallisierten Platten geben nach und brechen wie dünne Eisschollen. Unter den etwa zwei Zentimeter dünnen Platten kommt kiesig wirkendes Material zum Vorschein, darunter wird es bereits feucht. Ein Einsinken des Wagens hätte hier fatale Folgen. Nach ein paar Schritten nach vorne auf eine wie eine Landzunge wirkende, etwa zehn Meter hohe Hügellinie bietet eine Aussicht auf einen aufgewühlt wirkenden grossen See. Wir müssen umkehren und fahren ein Stück südwärts. Auf einer Kuppe mit weitem Panorama halten wir für Lunch.


Oberhalb des Rastplatzes.

Die Nachmittagsetappe führt weiter im Hin und Her. Fotostopps wären alle paar hundert Meter angesagt, so vielfältig und umwerfend sind die Aus- und Hinaufblicke. Es wird zunehmend windig. Der Lagerplatz liegt zwischen hohen Türmen. Das Sandstrahlgebläse ist nicht gerade angenehm.

Samstag, 30. November

Der Wind legt sich im Laufe der Nacht. Zum morgendlichen Spaziergang habe ich mir als Ziel den pilzförmigen Pfeiler in östlicher Richtung ausgesucht. Über die kleinplattigen Salzkrusten erreiche ich ihn gerade noch rechtzeitig zum Sonnenaufgang.


Eindrücke während des Morgenspaziergangs.

Die Ausblicke auf die teilweise fast dreissig Meter hohen Türme, die teils aus hellem Fels, teils aus dem streuselartigen Ton bestehen, ist toll. Auf dem Rückweg von Ferne ist die Vielzahl der ähnlichen Skulpturen verwirrend, doch schon bald glitzert das weisse Auto in der Sonne.


Schon nach wenigen Minuten Fahrt.

Nach dem Frühstück queren wir zwei noch sehr rauhe Salzfelder, dann wird es einfacher, sind doch die Flächen zwischen den teilweise nun sehr hohen Bergrücken mit Kies, das die bereits zur Genüge bekannten Wellen wirft, bedeckt, oder noch schöner zum Fahren, eine glatte, helle ockerfarbige Fläche, die topfeben ist. Die "Horizonte" links und rechts sind oft atemberaubend.


Der nächste Halt.

Von gerade bis zu kathedralartigen Formen bis hin zu Fröschen ist alles hinein zu interpretieren. Es egeben sich häufiger als erwartet problemlose Durchfahrten von einem Tal zum nächsten.


Der nächste.

Fast jede Überfahrt erfordert allerdings einen Fotostopp, sind doch die neu auftauchenden Formen jedes Mal wieder anders. Im Zickzack und Rauf und Runter arbeiten wir uns langsam gegen Westen vor.


Manchmal hilft auch Anlauf nicht aus dem Tal hinaus.

Der Mittagsplatz liegt über einer Senke mit Ausblick auf eine hohe, steile Kette im Osten, nach Norden teilt sich das Wadi.


Beim kurzen Mittagsspaziergang entdeckt.

Wir fahren über das linke Sandfeld nach oben und sind wieder ein Stück weiter. Nach einem Pass halten wir an dem "aufgewühlt" erscheinenden braunen Salzsee, der von einem braunen Rand gesäumt wird. Vor einer hohen steilen Wand, die wie schneeverweht in braun in braun wirkt, halten wir für "Doping", so nennt der einheimische Fahrer die Zigarettenpause. Auf dem nächsten langgezogenen Hügelzug bietet sich ein grandioser Ausblick. Nach links in ein weites Tal, in dem sich unzählige pyramidenförmige Huppel verlieren. Der Blick nach Osten geht auf eine wunderbar angestrahlte Bergkette, nach Westen hin blickt man über eine ganze Reihe von hintereinander gestaffelten Bergrücken, vor uns geht es abwärts. Am Horizont hinter dem Salzsee ist die Abbruchkante, die zu einem grossen Teil um das ganze trockene Becken geht, und gegen Westen zum über 4000 Meter hohen Dach von Kerman. Sanfte Wolken liegen darüber. Wir ändern die Richtung, da wir seit heute früh 47 Kilometer gefahren sind, dabei aber nur 20 Kilometer Luftlinie zurückgelegt haben. Das gewünschte Ziel ist bei dieser "Geschwindigkeit" nicht zu erreichen.


Unser Fahrer und der Guide Muhammed Ali bei der Lagebesprechung.

Wir fahren das kurze Stück bis zur Flussgabelung zurück.

Bald tauchen die groben zerfurchten Platten wieder auf, das Tempo ist so auf 16 Stundenkilometer beschränkt. Kurze Zeit später stossen wir auf ein weisses Band, einen ausgetrockneten Salzfluss, wir fahren an ihm entlang, bei einer engen Flussgabelung, es ist schon fast dunkel, kehren wir um und folgen einer etwa dreissig Meter hohen, recht steilen Felswand Richtung Osten, bis wir in einer Art Mulde den Lagerplatz 317 MüM. erreichen. Ich lege mich hinter einen kleinen, weichen Wall.

Sonntag, 1. Dezember

Die Nacht ist windstill und sehr mild. Kurz nach dem Frühstück klettere ich auf den östlichen Felsen, er bietet einen schönen Ausblick auf die schneebedeckten Berge hinter Kerman.


Ein Blick Richtung Westen.


Wir fahren das kurze Stück bis zur Flussgabelung zurück.


Ein ausgetrockneter Salzfluss - kein Problem?

Bis der erste Wagen über die schwierige Stelle ist, sieht man die unterschiedliche Beschaffenheit des Untergrundes an H's Reifen an. Sie sind nur vom Stehen schon zwanzig Zentimeter dick mit feuchtem Lehm verklebt. Ein paar Augenblicke später sitzt das Fahrzeug fest. Man kann förmlich zusehen wie der Wagen absackt. Alle raus und schieben - doch die Reifen drehen durch, es bildet sich ein schlammartiger Wulst, das Auto ist hinten schon bis zu Achse eingesackt. Mit Hilfe eines kräftigen Seiles, welches am anderen Fahrzeug befestigt wird, ihn über die nun mit Salzplatten bedeckten Fahrspuren rückwärts aus dem Schlammassel ziehen, er hält sogleich auf sicherem Untergrund. Nach dieser Aufregung geht es im Schritttempo weiter, nach ein paar Kilometern Acker erreichen wir schliesslich ein Hügelband mit sandigen Miniwadis, an dessen Rand es sich schneller als bloss im Schritttempo fahren lässt. Doch da hat das andere Auto eine Reifenpanne. Über schwer und mühsam zu befahrene Salzfelder geht es weiter, ab und zu ist mal ein fast weisses Band zu überqueren, ein ausgetrockneter Salzfluss. Um das Risiko eines erneuten Einsinkens zu verhindern, steigen wir aus und die beiden Fahrer preschen zügig über die wenigen Meter. Etwas weiter weg sehen wir ein Band glitzern: Da fliesst tatsächlich Wasser.




Einfach schön.

Die gegenüberliegenden Uferseite spiegelt sich im flachen Wasser, ebenso die Sonne glitzert auf den unterschiedlich kristallisierten Salzflächen, die sich in verschiedenen Bandbreiten entlang des Flusses schlängeln, oder kleine und kleinste Inselchen bilden. Längeres Stehenbleiben hat unweigerlich langsames Einsinken zur Folge. Auf der Weiterfahrt stossen wir noch öfters auf dieses unüberwindbares Hindernis.


Schmal und doch unüberwindbar...

An einer Flussbiegung halten wir für kurzen Mittagsstopp. Die Fahrt geht genauso holprig weiter, erst nach einer schönen Weile wird das Fortkommen weniger ruppig. Die erste Fahrzeugspur taucht auf, ein erster einzelner grüner Busch. Rechter Hand und vor uns stehen hohe, meist helle Felsblöcke auf der Ebene. Die Anzeige des Höhenmessers steigt leicht an: 380 MüM. Nach einer Kuppe liegt der Fluss plötzlich wieder vor uns, hatten wir ihn doch längst weiter weg Richtung Westen, zu den Bergen hin, vermutet. Auf der anderen Flussseite sind jedoch weitere Fahrzeugspuren zu erkennen. Auf der Landkarte ist der Fluss sowie eine nahe gelegene Furt eingezeichnet. Nach wenigen Kilometern stossen wir auf sie. Einige waten hinüber und schauen den Fahrzeugen bei dem problemlosen Übersetzen zu. Das ergibt sogar gleichzeitig salzige, aber dafür saubere Füsse... Wir folgen dem Bergkamm, an dessen Flanke Häuser in grosser Zahl zu stehen scheinen, sind doch die Kanten der dort vorstehenden Felsen absolut senkrecht, die "Dächer" meist mit Sand bedeckt, wirken dreieckig. Die Piste wird nun breiter. In einem grossen Bogen ändert sich nun die Fahrtrichtung gegen Westen, dann zunehmend nach Süden. Links sieht man nun die nordwestlichsten Ausläufer der Bergketten des Windreliefs, die nun noch von der bald untergehenden Sonne angestrahlt werden. Später verschwindet die Sonne hinter der hohen Bergkette, somit sind auch die Blicke nach Osten nicht mehr so eindrücklich. Nach rechts geht der Blick auf die zügig ansteigenden Ausläufer des Dachs von Kerman, über der ganzen Szenerie hat der Wind mehrere helle leicht tiefer liegende Wolken skurril geformt. Die Formation sieht gerade so aus, als ob sich verschiedene strahlende Ufos zu einem Verbund zusammengeschlossen hätten. Von Ferne sehen wir mehrere Laswagen, kurz darauf passieren wir eine Baustelle, die Fortsetzung unserer Fahrt verläuft nun auf einer schön breiten, planierten Piste. Nach ein paar Kilometern verlassen wir sie nach links und landen am Lagerplatz in einem kleinen, welligen grausandigen Wadi, 320 MüM. Der Wind legt sich, doch verdecken dichte Wolken oftmals die Sicht auf die Sterne.

Montag, 2. Dezember

Kurz vor fünf Uhr beginnt auf der gut drei Kilometer entfernten Piste der Bauverkehr für die Asphaltstrasse, über die Ebene sind die Fahrgeräusche ewig lang zu hören. Der Mond geht als schmale Sichel auf, gerade bevor es richtig hell wird. Die Sonne kommt hinter einem dunklen Wolkenband hervor. Bald erreichen wir die nun geteerte Strasse, schon nach wenigen Minuten Fahrzeit beginnt die Vegetation. Zuerst mit vielen kleinen Büschen, dann Bäumchen auf der rechten Seite, das in krassem Gegensatz zu den dahinter steil aufwachsenden Bergketten steht, die zwischendrin von der Sonne angestrahlt werden, die hinteren sind tief hinunter mit (Neu-?)Schnee bedeckt. Wir fahren unter einer recht dicken Wolkendecke südwärts. Links sehen wir die ersten lehmfarbenen Häuser und erste Stromleitungen. Am Fusse der ersten Bergkette ist viel Grün zu sehen: Die erste Oase: Schachtat. Der Himmel ist bedeckt. Die Strasse steigt nun kontinuierlich an, wir verlassen das Lut-Becken, eine Fläche von 200 auf 30 Kilometern ohne Vegetation, nach wenigen Minuten sind wir in einer wahrhaft anderen Welt. Innert zehn Minuten klettert der Höhenmesser auf 1780 MüM. Nach einer Rechtskurve blicken wir hinunter auf ein Dorf mit grauen Steinhäusern inmitten von leuchtenden Herbstbäumen, und Reben. Diese werden an grossflächigen Holzkonstruktionen nach oben gezogen, die Ernte erfolgt von unten her, die dichte Weinrebenblätter bilden ein schützendes Dach. Die Strasse steigt noch steiler an, als zuvor, durch karge, graubraune zerfurchte Hügelzüge geht es bergan, die nächste Kuppe liegt schon auf 1980 MüM. Der Ausblick nach links geht auf die Lut, der ist durch die diesige Stimmung leider stark eingeschränkt. Genauso steil geht es sogleich wieder nach unten. Auf der nächsten Hochebene werden die kleinen, oft von Steinmauern gesäumten Ackerflächen noch mit Eseln bewirtschaftet. Wir verlassen das schmale Teerband und fahren auf einer Piste weiter. Die Wolken hängen tief unten, auf der nächsten Passhöhe, immerhin 2130 MüM. schneit es in dicken, nassen Flocken. Später fahren wir durch einen kleinen Ort, der vor zwanzig Jahren von einem grossen Erdbeben völlig zerstört wurde. Die Hauptstrasse, die mitten durch das Dorf führt ist eine gerade Allee von schönen Eichen gesäumt, schätzungsweise vier Kilometer lang, die Häuser im üblichen Graubraun. An einer Bäckerei bekommen wir frisches Fladenbrot, das wie immer im Auto nach hinten gereicht wird. Wo ich sitze? Klar - hinten. Bald erreichen wir ein Tal, das von farbigen Hügeln, von hellgrau, gelb, ocker, oliv bis zu weinrot umgeben und zerfurcht ist, hier halten wir für Lunch. Entstanden sind diese interesssanten Formationen durch das Erdbeben, die die übereinanderliegenden farbigen Schichten an die Oberfläche hoch gedrückt hatten. Auf der nahen Teerstrasse quälen sich zwei fast leere Busse die Steigung nach oben. Die zweite Etappe beginnt mit Hagelschauern, der nach kurzer Zeit aufhört, als wir auf der Hochebene auf 2340 MüM. die Schnellstrasse erreichen. Bis Bam 105 Kilometer. Der Verkehr verhundertfach sich geradezu. Ein kurzes Stück der Strecke ist schon bekannt. Über einen flachen Hügel kommend, sieht man den Ort Bam erst als moderne Oase mit vielen Palmen, dieses Bild setzt sich fort auf dem ganzen langen Weg durch die Stadt, ist es doch sehr schön grün, viele Bäume, fast alle Hauptstrassen sind allenartig angelegt. Wir halten vor der ehemaligen, nun verlassenen Oasenstadt, die von einer zinnenbewehrten Stadtmauer umgeben ist.


Überblick gerade oberhalb des Haupteingangs.

Es ist weltweit die grösste aus Lehm und Stroh gebaute Siedlung. Die ältesten Gebäude stammen aus der Zeit vor dem 12. Jahrhundert. Durch einen ehemals überdeckten Bazar gelangt man zu den verschiedenen Vierteln, am nördlichen Ende des 200'000 Quadratmeter grossen Gebietes gelangt man an den Fuss eines steilen Felsens, auf dem die Zitadelle erbaut wurde.


Im Innern der in Renovation befindlichen Anlage.


Durch ein Tor mit Rundbogen gelangt man über Steinstufen hinauf auf die nächste Ebene, von wo sich der Blick nach unten auf die damaligen Pferdestallungen, die zeltförmige Verzierung aufweisen. Ganz oben auf der Zitadelle befindet sich der Wohnpalast des Gouverneurs. Der Rundblick von dort ist grandios. Nach Westen hin geht er über die alte und neue Stadt, nach Norden hin auf die südwestlichsten Ausläufer der Lut. Hier begegnen wir erstmals wieder Touristen verschiedener Provenienz. Ich warte mit unserem Fahrer am Auto, das durch die ungewöhnliche Beladung auffällt, als wir von einem höheren Angestellten der nahen Freihandelszone angesprochen werden. H. zeigt im auf der Karte unsere zurückgelegte Route. Kurze Zeit später kommen die anderen hinzu. Die nächste Frage lautet, ob wir nicht eine Rallye durch die Wüste Lut organisieren können/wollen? Plötzlich wird B. kräftig angepackt und geschüttelt. Einer von drei Typen, sie stellen sich als Angehörige der Sicherheitspolizei heraus, verlangt lautstark die Herausgabe der Autoschlüssel. Der andere Typ der Freihandelszone wird nun zu Hilfe geholt, kurz danach sind fünf Leute gleichzeitig am Handy... Im Konvoi werden wir zum Hotel geleitet. Es ist kurz nach sechs als wir dort eintreffen. Die eindringliche Befragung mit zwischenzeitlicher Vorführung meiner kompletten Videofilme und überraschendem Aufmarsch von Soldaten mit vorgehaltenen MPs dauert bis nach elf Uhr. Ers dann hauen sie mit konfiszierten Filmen, Objektiven und Videokamera ab. Ziemlich geschockt essen wir doch noch eine grosse Platte, die Küche musste für uns die ganze Zeit warten...

Dienstag, 3. Dezember

Entgegen der Abmachungen passiert bis neun Uhr erst mal gar nichts. Man teilt uns später mit, unsere Ausrüstung sei mittlerweile in Kerman, dem Distriktshauptort, 200 Kilometer nördlich von Bam, wo wir sie zurückbekämen... Nachdem wir die Botschaft informiert haben, fahren wir los und erreichen das Hotel in Kerman um 14.30 Uhr. Nun passiert wieder mal lange Zeit nichts. Erst kurz vor fünf Uhr werden wir zum Gespräch mit dem Tourismuschef und dem Obersten der Geheimpolizei geladen. Nach generellem Geplauder, geht es bald zur Sache, wir hätten den Terminplan nicht eingehalten, sechs Hubschrauber hätten nach uns gesucht und da wir auf bekannten Schmuggelpfaden unterwegs gewesen seien, was für zehn Prozent der zurückgelegten Strecke tatsächlich auch zutraf, und so weiter und so fort... Quintessenz der langen Geschichte: Zwei Diafilme unbelichtet, bekomme ich entwickelt zurück, zwei weitere belichtete, erhalte ich ebenso entwickelt zurück. Aber Diafilme als Negativfilm entwickelt lässt nun mal kein brauchbares Resultat zu, sodass mir von der ganzen bisherigen Reise keine Personenaufnahmen oder Bilder von Oasen erhalten bleiben. Danach gehen wir essen und bald darauf auf unsere Zimmer.

Mittwoch, 4. Dezember

Die Abfahrt nach dem Frühstück bei schönstem, aber kaltem Herbstwetter, verzögert sich, da unser Guide erst noch Geschenke bei der Tourismusbehörde abholen muss. Wir folgen der Hauptstrasse nordwärts. Als wir an einer Kreuzung kurz halten müssen, stoppt ein Auto neben uns und ein älterer Mann steigt aus und reicht uns einen Plastiksack mit fast einen Kilo Pistazien. Die Gegend hier ist, soweit das Auge reicht, von Pistazienbäumen, die in langen, schön ausgerichteten Reihen wachsen, bedeckt. Wir verlassen die Hauptstrasse nach links und fahren gegen Westen. Kurz nacheinander überqueren wir zwei steile Pässe, beide über 2400 MüM. Die Ausblicke sind toll, die wenigen Dörfer die wir durchfahren bestehen aus wenigen Häusern. Menschen sind, wenn überhaupt, Ältere oder ein paar Kinder. Auf einer Holperpiste unterhalb der Strasse halten wir für Lunch. Kurz vor drei erreichen wir Maymand, die älteste Siedlung des Irans.


Ein Blick von der gegenüberliegenden Talseite.

Noch heute leben in den Tuffsteinhöhlen meist ältere Leute, wir werden, wie überall herzlich empfangen.


Klein - aber oho!

Ein kleines 86jähriges Männchen zeigt uns seinen vierzig Quadratmeter grosse Wohnung. Sie ist fast vollständig mit Teppichen ausgelegt und ziemlich vollgestellt. Mittlerweile haben sie auch Strom und somit elektrisches Licht, von Heizung ist allerdings nichts zu sehen.


Ein Blick auf die Eingänge der Höhlen.

Im unteren Teil des Ortes - hier wird, wie überall im Land kräftig gebaut und gebuddelt, blicken wir noch kurz in die Moschee, die seit fast tausend Jahren diesem Zwecke dient.


Noch oft besucht: Moschee in Maymand.

Die Weiterfahrt nach Yazd beginnt auf einer endlosen Hochebene. Die Strasse trifft bald auf die Hauptstrasse. Die Verkehrsdichte ist unglaublich. Bei einem Halt an einer Tankstelle muss man beim Überqueren dieser Fernstrasse höllisch aufpassen, nicht von einem der schrill pfeifenden durchbrausenden Lastzüge plattgewalzt zu werden. Es sind meist amerikanische Modelle oder alte Mercedesse, mehrere Tankstellen haben keine Diesel mehr, so pumpt ein Sattelschlepperfahrer aus seinem Tank mit Schlauch und Luftansaugen etwas Diesel in unseren Landcruiser. Es wird dunkel. In einer ehemaligen Metzgerei, die nun für Fernbusse zu einem Restaurant "ausgebaut" wurde, essen wir zu Abend. Beim Tanken bezahlen wir für 74 Liter Diesel knapp zwei Franken. Die kurvige Strecke steigt wieder an, öfters sehen wir das Schild "Schneeketten". Das Überholen ist oft schwierig, dauert es doch oft fünf Minuten, bis kein Gegenverkehr - sprich keine Brummis - selten mit ausreichender Beleuchtung, uns entgegenkommen. Kurz vor halb elf, es ist mehr als nur frisch, erreichen wir das Hotel in Yazd. Ab ins Bett.

Donnerstag, 5. Dezember

Kurz vor neun fahren wir frisch gestärkt zur Madijid-e Amir Chaqmaq, die ursprünglich auf 1437 datiert ist. Das Eingangsportal wurde erst im 19. Jahrhundert erbaut. Wir steigen auf die höchste zugängliche Eben, von dort bietet sich ein toller Blick über die ganze Stadt und die schneebedeckten Berge im Westen.


Ein nigelnagelneues Minarett.

Anschliessend laufen wir entlang der unzähligen kleinen Geschäfte, die vom PC-Bildschirm bis zum im Laden gebrannten Kandis-Zucker anbieten, zur Freitagsmoschees, die als best erhaltenes Gebäude aus dem 14./15. Jahrhundert des Landes gilt. Es ist das höchste Moscheeportal des Irans und ist mit reichen Mukarnasgewölben verziert. Es ist Mittagszeit, nur wenige Besucher sind hier. Gelegenheit, ausgiebig zu filmen und zu knipsen. Wir fahren in hektischem Verkehr zum Windturm, durch verwinkelte Gassen gelangen wir ans Ziel. Es ist eine schöne, aber auch hier gerade in Renovation befindliche Anlage. Der Windturm selbst, gut dreissig Meter hoch, hat Öffnungen in alle vier Richtungen, das Becken im Innern ist mit Wasser gefüllt, die farbigen Scheiben, die in Holzwände eingelegt sind und die einzelnen Räume voneinander trennen, ergeben schöne Spiegelbilder. Die Temperatur ist spürbar kühler als draussen.


Der höchste Windturm von Yazd.

Kurz nach eins beginnen wir die nächste Fahretappe. Auf einer weiten Ebene halten wir für Lunch. Die Strecke führt nach Sonnenuntergang über einen Pass von 2400 MüM. die letzte Steigung fahren wir im Schritttempo in einer langen stinkenden Lastwagenkolonne eingekeilt. Die Strasse ist streckenweise schon als Autobahn ausgebaut. Um halb sieben erreichen wir das Abbasi-Hotel, eine ehemalige nun toll ausgebaute Karawanserei in Isfahan. Ein cooles Gefühl in wüsten Klamotten in ein Fünf-Stern-Hotel zu marschieren, auf den Fahrzeugen ist noch immer Feuerholz gestapelt... Erstaunte Blicke bleiben da nicht aus. Die Anlage ist wirklich speziell und gepflegt. Anlässlich des morgigen Endes des Ramazan-Monats sind viele Restaurants geschlossen. A. führt uns zu einem Lokal, indem wir Fisch aus dem Kaspischen Meer bekommen. Lecker. Auch der Nachtisch mundet.

Freitag, 6. Dezember

Letzter Tag des Ramazan-Monats. Gleich nach dem Frühstück laufen wir durch die Nachtigallen-Parkanlage und dem Pavillon Hasht Beshshl, erbaut 1669, vorbei, der auch gerade renoviert wird. Die Herbstbäume sorgen im milden Morgenlicht für eine schöne Stimmung. Von der Südseite, also von der Rückseite her, nähern wir uns auf kleinen Quartiergassen der Madjid-e-Imam, der grossen Moschee. Auch hier wird renoviert, die fliessengeschmückte Kuppel ist teilweise eingerüstet, ebenso eines der vier hohen Minarette. Wir erreichen den Imam-Square, an diesem 150 Meter breiten und 500 Meter langen, genau rechteckigen Platz, liegt im Süden die Imam-Moschee, im Osten die Shaikh Lotfolla-Moschee und im Westen der Ali Qapu-Torpalast. In der Mitte befinden sich mehrere längliche Wasserbecken, die vielen eleganten flach spritzenden Fontänen übertönen mit ihrem Geplätscher den Lärm des Verkehrs. Der ganze Platz ist von zweistöckigen Arkaden eingefasst und wurde zwischen 1602 und 1650 erbaut. Zur gleichen Zeit wurde auch die Lotfolla-Moschee begonnen und 1619 fertiggestellt. Durch einen abgeknickten Gang, der wie das ganze restliche Gebaubäude auch mit dunkelblaugrundigen Fliesenmosaiken ausgekleidet ist.


Blick auf die Lotfolla-Moschee.

Die ockerfarbige Kuppel ist von 16 Lichtöffnungen unterbrochen, die den grossen Raum nur schwach ausleuchten. Man kommt aus dem Fotografieren - ab Stativ - und Filmen und Staunen nicht heraus.


Im Innern der Lotfolla-Moschee.







Das Hauptportal.

Draussen drehen die ersten Fiaker ihre eckigen Runden um den Platz. Es sind gut zwanzig Kutschen, die da auf Kunden erwarten. Im nahen Park werden wir von drei Jungs nett angesprochen und über unsere Interessen regelrecht ausgefragt. Da die grosse Moschee bist 14 Uhr geschlossen ist, machen wir uns auf den Weg zur Knadju-Bürcke. Unterwegs passieren wir einen kleinen Bazar, ein Bäcker "reisst" uns förmlich in seine Backstube. Die Khadju-Brücke ist 150 Meter lang und 4 Meter breit. Sie wurde um 1650 erbaut und besteht aus 23 zweigeschossigen Bögen, deren steineren Fundamente mit Schleusentoren ausgerüstet waren, sodass für die vielen Gartenanlagen von Isfahan das Wasser gestaut und bei Bedarf abgeleitet werden konnte.


Blick auf die Knadju-Brücke.

Wir werden neugierig bestaunt und auch angesprochen. Die Stimmung hier ist wie bei uns am Sonntagnachmittag auch: Spazieren mit Kind und Kegel, Decken werden ausgebreitet, geschlemmt, in die Sonne oder auf Touristen gekuckt, gesungen oder Pedalo gefahren. Wir lassen uns zur Imam-Moschee zurückfahren, leider kommt in dieser Jahreszeit die Sonne nicht genug weit nach Westen und steht zudem zu tief, sodass das Hauptportal und die genau nach Norden ausgerichteten Nord- und Südiwane zu keiner Tageszeit von der Sonne angestrahlt werden. Der Bau wurde 1630, nach 19jähriger Bauzeit fertiggestellt.


Im Innenhof der Imam-Moschee.

Der nur als "gigantisch" zu bezeichnende Eindruck des Gebäudekomplexes mit all den unglaublichen Details und optischen Genüssen erfordert eine mehr als nur ausgedehnte Film- und Fotosession. Für mich zählt er zu den drei tollsten architektionischen Gebäuden der Welt.


Durchblick auf den kleinen Innenhof.

Die Sonne zaubert ein mildes Licht auf die bunten Herbstblätter der Bäume in den seitlich zurückversetzten kleineren Höfen. Die paar wenigen Besucher fallen fast gar nicht auf, als es langsam kühl wird kehren wir zum Hotel Abbasi zurück.


Wir gehen mit A. Huhn essen, heute sind wir nur zu dritt, werden aber nicht weniger bestaunt, das Lokal ist fast auf den letzten Platz gefüllt, erstaunlich viele Kinder fallen in dem Lokal auf.

Samstag, 7. Dezember

Nach dem Frühstück mit Ausblick auf die nahe gelegene -Moschee, laufe ich nochmals zum schönsten Bauwerk der Welt, dort lässt man sogar das gestrige Ticket für einen erneuten Eintritt gelten.


In der Imam.

Die Lichtverhältnisse sind am Morgen anders, aber auch nicht besser als zuvor, hinzu kommt der dunstige Smog und leichte Bewölkung, die um halb elf Uhr alle Schatten und Konturen verschwinden lässt.


Stimmung am Morgen.


Durch den Bazar und die Schmuckstrasse nahe des Hotels gelange ich zurück. Um kurz nach eins fahren wir durch das nicht enden wollende Verkehrsgewühl nordwärts. Erst nach geraumer Weile wird die Bebauung dünner und wir halten auf freiem Feld für einen kleinen Imbiss. An vielen Fruchtständen, die oft bei Raststätten aufgebaut sind, sausen wir vorbei. Die richtungsgetrennten Fahrtrichtungsspuren sind oft hundert Meter oder weiter voneinander entfernt. Die Sonne geht hinter Wolken unter. Wir erreichen Qom, die Hochburg der Schiiten im Iran. In einem ausgetrockneten und asphaltierten(!) Flussbett parkieren wir unterhalb des grossen heiligen Komplexes.


Vor dem Haupteingang.

Bei bissiger Kälte gehen wir zum südlich gelegenen Haupteingang und warten auf dem grossen Platz mit vielen Verkaufsständen und unzähligen vorbeihuschenden Mullahs, bis unsere weiblichen Crew-Mitglieder von unserem Führer die passende Montur - Tschador - bekommen. Einheimische Damen helfen bei der Montage desselben. Danach dürfen wir einen kurzen Rundgang in den von hohen Minaretten umstellten inneren Platzes des Gebäudes unternehmen. Eher grobe und gar moderne Gestaltungselemente fallen hier sofort auf. Die Stimmung hier wirkt eher gedrückt - oder soll man dies respektvoll nennen? Die heiligste Stelle wird von einem glasbedeckten und im Licht gleissenden Eingang begrenzt, diese Schwelle bleibt uns Nichtgläubigen verständlicherweise verwehrt. Nur wenige Schritte weiter landen wir in unsrem Hotel, wo wir gleich essen und gerade mal vier Stunden Schlaf vor der letzten Etappe ergattern können.

Sonntag, 8. Dezember

Nach einer wahrlich kurzen Nacht an einer lauten Durchgangsstrasse läuten um kurz vor 01 Uhr die Wecker. So sind wir nach kleinem Frühstück um halb zwei abfahrtbereit.In zügiger Fahrt geht es auf der teilweise nassen Fahrbahn zügig Richtung Hauptstadt. Erstaunlicherweise hat der Verkehr etwas abgenommen. Nur auf dem Parkplatz des Flughafens herrscht emsiges Gedränge. Doch das Einchecken geht zügig und es bleibt uns Zeit, um den ganz neuen Terminal mit seinen Dutyfreeshops etwas zu betrachten und die letzten Batzen loszuwerden. Auch diesmal ist die MD-11 der Swiss nicht mehr als zu zwei Dritteln gefüllt und pünktlich hebt die Maschine nordwärts ab. Es gibt bald essen. Nach einer Weile können wir unter uns einen grossen Fluss mit zahlreichen Windungen ausmachen. Gemäss Karte tippen wir auf Budapest, nach unserer Nachfrage kriegen wir dies auch bestätigt. Über Schaffhausen drehen wir eine perfekte Warteschlaufe und landen auf der langen Piste im bedeckten Zürich. Schon bald läuft das Gepäck vom Band und schon bin ich draussen. Der Empfang übertrifft alle Erwartungen - so bringt uns ein Taxi blitzschnell nach Hause und ...
 

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